Am 16. Januar 2026 startet die Polizei Baden-Württemberg eine zweijährige Testphase für sogenannte Taser. Damit wird der Taser einem Praxischeck unterzogen, ob er sich als Einsatzmittel für die Polizei in der Fläche eignet. Im ersten Jahr testen das Polizeipräsidium Einsatz und das Polizeipräsidium Freiburg den Taser 7 der Firma AXON.
„Als wir 2016 angetreten sind, hatten wir ein klares Ziel für die Polizei: Wir stärken unsere Polizei – durch eine bessere technische Ausstattung, durch mehr rechtliche Möglichkeiten und vor allem durch mehr Personal. An allem haben wir hart gearbeitet und sind hier auch ordentlich vorangekommen. Die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten unseres Landes sind tagtäglich mit herausfordernden Einsatzsituationen konfrontiert, die nicht selten große Gefahren für die Einsatzkräfte selbst mit sich bringen. Deshalb brauchen sie die bestmögliche Ausstattung. Der Taser kann freilich ein wirksames Einsatzmittel sein – insbesondere in statischen Einsatzlagen. Deshalb haben wir unsere Spezialeinheiten bereits seit 2007 mit Tasern ausgestattet. Jetzt wollen wir schauen, ob die neuen Tasermodelle flächendeckend für unsere Polizei, also etwa auch im Streifendienst in Baden-Württemberg, praxistauglich und eine gute Ergänzung zur bestehenden Ausstattung sind. Ganz wichtig ist mir dabei: Einsatzmittel verordnen wir nicht von oben. Unsere Polizistinnen und Polizisten entscheiden, was sie brauchen, um andere und natürlich auch sich selbst bestmöglich zu schützen“, erklärte der Stv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl anlässlich zum Startschuss bei der Projektvorstellung am 16. Januar 2026 in Umkirch.
Vier Pilotreviere in Baden-Württemberg
„Baden-Württemberg erprobt die Nutzung des Tasers in vier Pilotrevieren in Freiburg, also bei den Kolleginnen und Kollegen, die 24/7 unterwegs sind. Wir möchten die Anwendung des Tasers im Alltag des Streifendienstes ausprobieren und anschließend die Ergebnisse evaluieren, so dass wir eine fundierte Empfehlung geben können. Die bisherigen Erfahrungen anderer Polizeien haben wir uns zu Nutzen gemacht. Darüber hinaus wollen wir schauen, ob und wie sich der Taser bei der sogenannten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit des Polizeipräsidiums Einsatz bewährt, also bei den Einheiten, die gewissermaßen zwischen Streifendienst und Spezialeinheiten die regionalen Präsidien in bestimmten Lagen unterstützen“, so Projektleiter und Polizeivizepräsident des Polizeipräsidiums Freiburg Uwe Oldenburg.
In dem Pilotprojekt testet die Polizei Baden-Württemberg zwei unterschiedliche Modelle von Tasern, von Fachleuten Distanz-Elektroimpulsgeräte genannt, für jeweils ein Jahr. Die Testphase des ersten Taser-Modells startet am 16. Januar 2026. Hierbei handelt es sich um das Modell „Taser 7“ der Firma AXON. Für das Pilotprojekt hat die Polizei 40 Geräte beschafft, die nun von Polizeibeamten bei den Polizeirevieren Freiburg-Nord und -Süd, stellvertretend für den städtischen Raum, sowie bei den Polizeirevieren Titisee-Neustadt und Weil am Rhein, stellvertretend für den ländlichen Raum, getestet werden. Das Polizeipräsidium Freiburg ist dabei auch in Bezug auf die Grenznähe von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus erfolgt der Test bei einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit des Polizeipräsidiums Einsatz, stellvertretend für die geschlossenen Einheiten der Polizei.
Taser-Einsatz seit März 2007 zugelassen
Der Einsatz von Tasern ist in Baden-Württemberg seit dem 1. März 2007 zugelassen. Derzeit setzen Einsatzkräfte der Direktion Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Einsatz Taser ein. Damit verfügt die Polizei Baden-Württemberg über langjährige Erfahrungen im Umgang mit diesem Einsatzmittel. Seit der Einführung haben die Einsatzkräfte Taser in 86 Fällen eingesetzt.
Taser können in geeigneten Polizeilagen ein wirksames Einsatzmittel sein. Dies gilt insbesondere für statische Einsatzlagen. Für Messerangriffe sind Taser nicht geeignet. Diese erfolgen aus einer relativ kurzen Distanz und sind meist hochdynamisch. „In einer solchen Lage ist das sicherste Mittel für die Polizei, nicht zuletzt um sich und Dritte zu schützen, die Schusswaffe“, unterstrich Innenminister Thomas Strobl.
Mit dem Taser können Polizeibeamte zwei mit Widerhaken besetzte Elektroden auslösen, die in die Haut der getroffenen Person eindringen sollen. Diese Pfeile sind über dünne Drähte mit dem Taser verbunden. Die Drähte übertragen elektrische Impulse mit hoher Spannung und niedriger Stromstärke auf den Körper der getroffenen Person. Das soll dazu führen, dass die getroffene Person schnell handlungsunfähig wird, ohne dass sie schwere Verletzungen erleidet.
Das Vergabeverfahren des zweiten Modells ist für Sommer 2026 geplant. Im Anschluss an die beiden Testphasen (nach etwa zwei Jahren) wird die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg beide Modelle sowie den Einsatz des Tasers insgesamt evaluieren.
















