Anlässlich der Verabschiedung des „Aktionsplans des Landes Baden-Württemberg gegen Desinformation“ lud Innenminister Thomas Strobl am 25. November 2025 zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Fakten stärken, Desinformation entkräften: Baden-Württembergs Weg zur demokratischen Resilienz“ in das Innenministerium ein.
Mirko Ross (CEO asvin GmbH) leitete die Diskussion mit einer spannenden Keynote ein, anschließend diskutierte er gemeinsam mit Minister Strobl, Sibylle Thelen (Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung) und Prof. Dr. Frank Brettschneider (Universität Hohenheim), wie die Gesellschaft der wachsenden Flut an Falschinformationen und KI-generierten Inhalten begegnen kann und welche Bedeutung Bildung, Medienkompetenz und technologische Aufklärung dabei haben.
Am 26. November 2025 folgte ebenfalls im Innenministerium ein Fachvernetzungstreffen zum Thema Desinformation, an dem Vertreterinnen und Vertreter aus Behörden, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft teilnahmen. Zwischen Impulsvorträgen aus den Bereichen Medien, Medienaufsicht, Sicherheit und Jugendarbeit bot die Veranstaltung viel Raum für Austausch und Vernetzung. Daneben konnten sich die Teilnehmenden in einem „Markt der Möglichkeiten“ über die Angebote des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, der Landesanstalt für Kommunikation, des Demokratiezentrums Baden-Württemberg sowie der Task Force gegen Hass und Hetze erkundigen.
Verschiedene Dimensionen der Desinformation
Als Auftakt in die Veranstaltung nahm Julia Kaltenbacher, Leiterin des Teams Medienkompetenz beim SWR, die Teilnehmer mit auf eine Reise durch die verschiedenen Dimensionen der Desinformation, darunter die wirtschaftlichen, technologischen, journalistischen, gesellschaftlichen und psychologischen Aspekte, und zeigte damit die Vielschichtigkeit des Themas auf. Hierbei zeigte sie sich als wahre Medienschaffende, indem sie das Publikum nicht nur informierte, sondern eine interaktive Atmosphäre schuf. Frau Kaltenbacher betonte die Forderung nach Sicherung und Stärkung des Journalismus, welche einhergeht mit der Notwendigkeit einer „redaktionellen Gesellschaft“, in der Menschen reflektiert mit Medien und Informationen umgehen.
Thematisch anschließend betrachtete Yannic Frey von der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) das Thema Desinformation aus der Perspektive der Medienaufsicht.
Die LfK ist in zwei wichtigen Bereichen tätig, um die Desinformation zu bekämpfen: Zum einen im Bereich der Prävention, indem sie Medienkompetenz vermittelt, beispielsweise durch Projekte wie "THE FEED" oder "handysektor". Zum anderen im Bereich der Medienaufsicht, indem sie rechtliche Schritte einleitet, um die Verbreitung von Desinformation zu verhindern: Dabei setzt die LfK auf moderne Technologien, wie das Aufsichts-KI-Tool KIVI, das automatisiertes Monitoring ermöglicht. Darüber hinaus arbeitet die LfK eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammen, um effektiv gegen die Verbreitung von Desinformation vorzugehen.
Ein besonderes Problem, das die LfK ansprach, ist die Schutzlücke, die durch manipulative Verbreitungstechniken entsteht. Durch den massenhaften automatisierten Einsatz von Fake-Profilen und den koordinierten Einsatz von Bots wird Desinformation auf eine Weise verbreitet, die schwer zu erkennen und zu bekämpfen ist.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) berichtete in seinem Impulsvortrag von der Relevanz des Themas „Desinformation“ im eigenen Zuständigkeitsbereich. Stammt Desinformation von extremistischen oder fremdstaatlichen Akteuren, ist sie ein Fall für den Verfassungsschutz. Desinformation stellt besonders dann eine große Gefahr dar, wenn sie als „Hybride Bedrohung“ eingesetzt wird: Das bedeutet, dass Desinformation als Bestandteil koordinierter, illegitimer, nicht-militärischer Handlungen durch staatlich-gelenkte Akteure zur Durchsetzung eigener Interessen und zum Nachteil eines anderen Staates eingesetzt wird. Gerade in dieser Ausprägung hat Desinformation großes Potenzial, Personen, Gruppen oder die öffentliche Meinung negativ zu beeinflussen.
So gewonnene Informationen fließen in die Facharbeit anderer Stellen ein oder werden direkt vom LfV beispielsweise in Vorträgen, Homepagebeiträgen und Informationsblättern veröffentlicht.
Erfolge im Kampf gegen Hasskriminalität und Hatespeech
Im Anschluss – und thematisch gut ins Thema „Online-Desinformation“ eingebettet – ging die seit 2021 bestehende „Task Force gegen Hass und Hetze“ des Landeskriminalamts auf die bereits geleisteten Erfolge im Kampf gegen Hasskriminalität und Hatespeech ein. Es wurde anschaulich verdeutlicht, wie vielfältig die Arbeit rund um die Sensibilisierung verschiedenster Zielgruppen sein kann. Die Task Force gegen Hass und Hetze leistet hier in den unterschiedlichsten Aktionsfeldern Aufklärungsarbeit, veröffentlicht Studien und geht mit gleichgesinnten Akteuren in den aktiven Austausch. Die Arbeit der Task Force gegen Hass und Hetze wurde bereits vielfach prämiert, unter anderem wurde der Schulwettbewerb „Jüdisches Leben in Deutschland – Eine Quelle der Vielfalt“ 2024 mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation ausgezeichnet.
Den Abschluss der informativen Impulsvortragsreihe am Fachvernetzungstag bildete die Präsentation der Fachstelle für Extremismusdistanzierung (FEX). FEX ist Bestandteil des Demokratiezentrums Baden-Württemberg und beschäftigt sich mit Aufklärungs- und Präventionsarbeit rund um politischen oder religiös motivierten Extremismus. Im Vortrag wurde an das Thema Desinformation angeknüpft und die Relevanz von Online-Verbreitungsmedien und damit einhergehende Radikalisierungsgefahren für Kinder und Jugendliche thematisiert. Betont wurde die Rolle einer präventiv erarbeiteten Medienkompetenz – eine Arbeit, der sich die FEX mit großem Engagement und Fachwissen widmet.
