Pressemitteilung

Regierungserklärung
  • 20.07.2017

Minister: Die Digitalisierung verändert die Welt - Baden-Württemberg auf dem Weg zur digitalen Leitregion

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Daten sind der Rohstoff der Zukunft. Inzwischen ist diese Aussage ein geflügeltes Wort
- obwohl wir das schon häufig gehört haben, klingt es doch immer noch sehr
abstrakt. Konkret wird es erst dann, wenn wir uns die aktuellsten wertvollsten
börsennotierten Unternehmen anschauen. Dort sehen wir, dass Facebook - also ein
Unternehmen, das fast ausschließlich digitale Daten als Wert besitzt - inzwischen
Exxon Mobil überholt hat - also ein Unternehmen, das mit dem wichtigsten Rohstoff
der Gegenwart handelt, dem Öl.

Dass sich diese Entwicklung nicht mehr umkehren wird, sehen wir bei einer weiteren
Schätzung: Heute sind etwa 20 Milliarden Geräte und Maschinen über das Internet
vernetzt. Bis 2030 soll es eine halbe Billion werden. Während die Ölquellen
zwangsweise weniger werden, wachsen die Datenquellen exponentiell an.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir befinden uns in Mitten einer gigantischen
Entwicklung. Während meiner ersten Minute Redezeit wurden 3,5 Millionen
Suchaufträge bei Google gestartet, 4,1 Millionen Videos bei YouTube angeschaut
und 156 Millionen E- Mails versendet. Das sind Zahlen, die unsere Vorstellungskraft
schon an die Grenzen bringen.

Doch bei allem Zahlengigantismus besteht die eigentliche Revolution eigentlich nur aus
zwei einfachen Zahlen: Null und Eins. Mit diesen zwei Zahlen, dem Binärsystem, wird
die Welt derzeit komplett neu vermessen.
Um das Ausmaß dieser Revolution zu beschreiben, braucht es wiederum eigentlich nur
fünf Worte:

Die Digitalisierung verändert die Welt.

Die Digitalisierung verändert die Art zu arbeiten, sie verändert die Art zu kommunizieren,
sie verändert die Art einzukaufen, ja kurzum: sie verändert die Art zu leben.
Die bisherigen revolutionären Entwicklungen verliefen im Vergleich zur Digitalisierung im
Schneckentempo. Die Digitalisierung ist aber, was die Geschwindigkeit des Wandels
angeht, eher einem Lichtstrahl vergleichbar. Die Innovationszyklen werden immer
kürzer, neue Geschäftsmodelle drängen immer schneller auf den Markt. Das Radio
brauchte 38 Jahre, um 30 Millionen Zuhörer zu erreichen. Instagram schaffte es
innerhalb von zwei Jahren, sich einen Kundenstamm von 30 Millionen Nutzern zu
erschließen.

Diese neue Dynamik und die neuen technologischen Möglichkeiten stellen unsere
bisherige Wertschöpfung im Industrieland Baden-Württemberg vor große
Herausforderungen. Dass man belohnt werden kann, wenn man die

Herausforderung anpackt und zu einem Geschäftsmodell macht, zeigt die
Automatisierungswelle in den 1980er und 1990er Jahren. Dort wurden uns in Baden-
Württemberg die dunkelsten Zukunftsprognosen gemacht. Die Automatisierungswelle
werde Tausende Jobs vernichten, hieß es da. Und ja, das ist auch eingetreten. Aber
genauso eingetreten ist, dass durch die Automatisierungswelle Hunderttausende
neue Jobs entstanden sind. Denn was war passiert? Wir haben uns damals nicht
einfach nur unserem Schicksal gebeugt, sondern haben die Veränderung erkannt,
aufgegriffen und ein Geschäftsmodell daraus gemacht. Heute sind zum Beispiel die
baden-württembergischen Maschinen- und Anlagenbauer, die Automobilindustrie
und die Zulieferer weltweit führend.

Und genauso wie wir die Automatisierungswelle gemeistert haben, müssen wir auch die
Digitalisierung anpacken. Denn es geht in dieser Entwicklung um nicht weniger als
die Zukunft unseres Landes. Dabei müssen wir uns der Frage stellen: Welche Rolle
soll Baden-Württemberg künftig einnehmen? Wollen wir nur noch Teile importieren
und lediglich hier zusammenschrauben? Oder soll hierin Baden-Württemberg nicht
doch lieber das Produkt auch erfunden, geplant, erprobt und schließlich gebaut
werden? Also heißt es für uns: Geschäftsmodell erkennen, neuen Wohlstand
schaffen.

Und wenn das jemand packt, dann sind es wir Baden-Württemberger. Wir sind das Land
der Tüftler und Denker. Das Fahrrad feiert in diesem Jahrseinen 200. Geburtstag -
erfunden vom Karlsruher Erfinder Karl Drais. Das Auto des Mannheimers Carl Benz
hat hier 1888 mit Bertha Benz am Steuer seine erste Fahrt von Mannheim nach
Pforzheim gemacht. Und nicht zuletzt wurde vor 33 Jahren auch die erste E- mail, die
nach Deutschland geschickt wurde, hier in Baden-Württemberg empfangen -
nämlich in Karlsruhe an der damaligen Universität (TH), dem heutigen Karlsruher
Institut für Technologie.


Während aber die Automatisierung hauptsächlich die fertigende Industrie betroffen hat,
ist die Digitalisierung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für Staat, Wirtschaft und
Gesellschaft. Deshalb haben die Koalitionspartner die Digitalisierung zu einem
zentralen Politik- und Handlungsfeld im Koalitionsvertrag gemacht. Mit Herrn
Ministerpräsidenten bin ich mir einig: die Gestaltung des digitalen Wandels gehört zu
den zentralen Schwerpunkten der Landesregierung. Deshalb hat Baden-
Württemberg als eines der ersten Länder ein Digitalisierungsministerium geschaffen,
bei dem die Fäden zusammenlaufen. Unter dem Schlagwort digital@bw haben wir
gleich nach der Amtsübernahme mit Hochdruck die Arbeit aufgenommen. Das Ziel:
eine landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie.
Unter meiner Federführung ist eine zukunftsweisende Digitale Agenda entstanden, die
klare Schwerpunkte bildet und konkrete Aktivitäten bündelt. Dazu haben alle
 
Ministerien beigetragen. Die Landesregierung hat zuvor einen breit angelegten
Prozess gestartet: Runde Tische und Konferenzen mit vielfältiger Experten- und
Bürgerbeteiligung. Keine Frage: Das war ein Kraftakt. Aber das Wesen der
Digitalisierung ist die Vernetzung. Und deshalb haben wir in Teamarbeit gemeinsam
und gut zusammengearbeitet.

Die komplette Regierungserklärung finden Sie hier


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