Einbürgerung und Staatsangehörigkeit

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Einbürgerung und Staatsangehörigkeit

  • Eine Hand mit einem Reisepass. Quelle: Fotolia

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Die Einbürgerung ist mehr als nur eine Formalität: Sie ist die bewusste Entscheidung, von nun an als Deutsche oder Deutscher hier zu leben. Als deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger erwerben die Menschen volle Rechte und Pflichten. Das erleichtert ihnen das Leben und die Mitgestaltung – beim Wählen, beim Reisen und im Beruf.

Hinweis: Das Staatsangehörigkeitsrecht ist so komplex, dass hier nur dessen Grundzüge dargestellt werden können. Da auch jeder Fall anders ist, lassen Sie sich von der zuständigen Behörde beraten. 

Fünf gute Gründe für die Einbürgerung Gründe für die Einbürgerung

  • Mitentscheiden und mitgestalten - die Einbürgerung garantiert Ihnen alle staatsbürgerlichen Rechte:

    • Sie haben aktives und passives Wahlrecht – das Recht zu wählen und gewählt zu werden.
    • Sie haben freien Zugang zu allen Berufen.
    • Sie erhalten das "Recht auf Freizügigkeit" und damit auch die Möglichkeit zur freien Ein- und Ausreise innerhalb der Europäischen Union (sofern Sie nicht bereits die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzen).
    • Sie genießen Reise- und Visumserleichterungen für viele außereuropäische Staaten.
    • Sie benötigen keine Aufenthaltserlaubnis mehr und müssen wegen der Passausstellung nicht zu ausländischen Konsulaten oder Botschaften.

Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung Erwerb deutscher Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung

  • Einen Anspruch auf Einbürgerung haben Ausländerinnen und Ausländer grundsätzlich, wenn sie

    • seit acht Jahren ihren rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben,
    • ein auf Dauer angelegtes Aufenthaltsrecht besitzen,
    • über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen,
    • sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland bekennen,
    • den Lebensunterhalt für sich und ihre unterhaltsberechtigten Familienangehörigen ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel bestreiten,
    • ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben oder verlieren,
    • nicht wegen einer Straftat verurteilt wurden und
    • über ausreichende Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland verfügen.

    Von den genannten Voraussetzungen gibt es Ausnahmen. Genaue Auskünfte dazu erteilen die Einbürgerungsbehörden. Besteht kein Anspruch auf Einbürgerung, kann eine Ermessenseinbürgerung in Betracht kommen.

Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit Aufgabe bisheriger Staatsangehörigkeit

  • Eingebürgert werden kann grundsätzlich nur, wer seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgibt oder verliert. Das Recht vieler Staaten - auch Deutschlands - sieht vor, dass die Staatsangehörigkeit automatisch verloren geht, wenn ein Staatsangehöriger eine andere Staatsangehörigkeit erwirbt. Bürger aus Staaten, in denen dies nicht der Fall ist, müssen sich an die zuständigen Behörden dieses Staates (in der Regel die Botschaft oder das Konsulat) wenden und einen Antrag auf Entlassung aus der Staatsangehörigkeit stellen.

    Besonders in folgenden Fällen wird ausnahmsweise Mehrstaatigkeit hingenommen:

    • Das Recht des ausländischen Staates sieht die Möglichkeit, aus seiner Staatsangehörigkeit auszuscheiden, nicht vor.
    • Das Recht des ausländischen Staates sieht die Möglichkeit, aus seiner Staatsangehörigkeit auszuscheiden, zwar vor, der Staat verweigert seinen Bürgern jedoch regelmäßig die Entlassung aus seiner Staatsangehörigkeit.
    • Die Aufgabe der Staatsangehörigkeit wird von dem ausländischen Staat mit unzumutbaren Bedingungen - zum Beispiel einer überhöhten Gebühr - verknüpft, obwohl alle Verpflichtungen gegenüber dem anderen Staat - etwa der Wehrdienst - erfüllt worden sind.
    • Der Einbürgerungsbewerber besitzt die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Mitgliedstaates oder der Schweiz.
    • Der Einbürgerungsbewerber besitzt einen Reiseausweis für Flüchtlinge und die Verfolgungssituation liegt noch vor.

Sprachkenntnisse Sprachkenntnisse

  • Ausreichende Sprachkenntnisse liegen vor, wenn der Einbürgerungsbewerber die Anforderungen der Sprachprüfung zum Zertifikat Deutsch (B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen) in mündlicher und schriftlicher Form erfüllt. Als erbracht gilt der Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse zum Beispiel aber auch, wenn der Bewerber vier Jahre eine deutschsprachige Schule mit Erfolg besucht hat oder eine deutsche Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.

Einbürgerungstest Einbürgerungstest

  • Notwendig sind außerdem Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland. Solche Kenntnisse sind in der Regel durch einen erfolgreichen Einbürgerungstest nachzuweisen. Ausreichend ist zum Beispiel auch der erfolgreiche Abschluss einer deutschen allgemeinbildenden Schule (mindestens Hauptschule).

    Hier finden Sie weitergehende Informationen zum Einbürgerungstest.

    An diesen Volkshochschulen in Baden-Württemberg können Sie den Einbürgerungstest ablegen.

Informationen zum Einbürgerungsverfahren Einbürgerungsverfahren

  • Stellen des Antrags

    Wenn Sie 16 Jahre alt oder älter sind, können Sie die Einbürgerung selbst beantragen. Für jüngere Ausländer müssen die gesetzlichen Vertreter – in der Regel die Eltern – den Antrag stellen.

    Zuständige Einbürgerungsbehörde

    Wenn Sie in einem Stadtkreis wohnen, ist die Stadtverwaltung für Sie zuständig. Wenn Sie in einem Landkreis wohnen, ist es das Landratsamt. 

    Form des Antrags

    Sie müssen einen schriftlichen Einbürgerungsantrag stellen. Den Antragsvordruck erhalten Sie bei Ihrer Einbürgerungsbehörde.

    Erforderliche Unterlagen

    Welche Unterlagen erforderlich sind, hängt vom Einzelfall ab. Lassen Sie sich frühzeitig von der Einbürgerungsbehörde darüber beraten, welche Unterlagen Sie vorlegen müssen.

    Kosten

    Die Einbürgerung kostet grundsätzlich 255 Euro pro Person. Für miteinzubürgernde Minderjährige ohne eigene Einkünfte fallen 51 Euro Einbürgerungsgebühr an. Wird der Antrag zurückgenommen oder abgelehnt, reduziert sich die Gebühr.

    Zusätzliche Kosten können im Einzelfall für die Vorlage von Personenstandsurkunden, den Nachweis der staatsbürgerlichen Kenntnisse, der Sprachkenntnisse und für die Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit anfallen.

Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt Erwerb deutscher Staatsangehörigkeit durch Geburt

  • In Deutschland gilt – wie in den meisten anderen Staaten – das Abstammungsprinzip. Danach hat ein Kind automatisch mit der Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn zumindest ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

    Daneben erhalten seit dem 1. Januar 2000 in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn mindestens ein Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt seit acht Jahren seinen gewöhnlichen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland hat und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt.

    Mit dem Staatsangehörigkeitserwerb aufgrund der Geburt in Deutschland (Geburtsortprinzip oder ius soli) kann mit Vollendung des 21. Lebensjahres die Verpflichtung verbunden sein, sich zwischen der deutschen und der ausländischen Staatsangehörigkeit zu entscheiden. Dies gilt jedoch nicht, wenn der Betroffene in Deutschland aufgewachsen ist oder als weitere Staatsangehörigkeit lediglich die eines anderen Mitgliedsstaates der Europäischen Union oder der Schweiz besitzt. Weitere Informationen finden Sie unter dem Punkt „Optionsregelung ab dem 20.12.2014“.

Optionsregelung ab dem 20.12.2014 Optionsregelung

  • I. Was ist wesentlicher Inhalt der Neuregelung?

    In Deutschland seit dem 1. Januar 2000 geborene Kinder ausländischer Eltern, die unter bestimmten Voraussetzungen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben, werden mit Inkrafttreten der neuen Optionsregelung nicht mehr optionspflichtig, wenn sie in Deutschland aufgewachsen sind. Dies bedeutet, sie müssen sich nicht mehr für eine ihrer Staatsangehörigkeiten entscheiden, sondern können die deutsche und ihre ausländische Staatsangehörigkeit behalten. Dies gilt auch für Kinder ausländischer Eltern, die bis zum 31.12.2000 die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt und bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen durch Einbürgerung erworben haben.

    Das Merkmal "im Inland aufgewachsen" erfüllt, wer bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres

    • sich acht Jahre gewöhnlich im Inland aufgehalten hat oder
    • sechs Jahre im Inland eine Schule besucht hat oder
    • über einen im Inland erworbenen Schulabschluss oder
    • über eine im Inland abgeschlossene Berufsausbildung verfügt.

    Als im Inland aufgewachsen gilt auch, wer im Einzelfall einen vergleichbar engen Bezug zu Deutschland hat und für den die Optionspflicht nach den Umständen des Falles eine besondere Härte bedeuten würde.

    Ebenfalls nicht optionspflichtig ist, wer neben der deutschen nur die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats der Europäischen Union oder der Schweiz hat. Für alle anderen, die das Merkmal „im Inland aufgewachsen“ nicht erfüllen oder neben der deutschen nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaats der Europäischen Union oder der Schweiz haben, gilt grundsätzlich weiterhin die Optionspflicht:

    Sie werden mit Vollendung des 21. bis zum 22. Lebensjahr angeschrieben (Optionshinweis) und um Erklärung gebeten, ob sie die deutsche oder die ausländische Staatsangehörigkeit behalten wollen. Wenn sie sich für die deutsche Staatsangehörigkeit erklärt haben, verlieren sie diese nicht, wenn die Entlassung aus der ausländischen Staatsangehörigkeit spätestens zwei Jahre nach Zustellung des Optionshinweises erfolgt. Maßgeblich ist dabei das Datum des Ausscheidens aus der ausländischen Staatsangehörigkeit. Ansonsten geht mit dem Ablauf der Frist die deutsche Staatsangehörigkeit kraft Gesetzes verloren, wenn die ausländische fortbesteht und entweder nicht rechtzeitig eine Beibehaltungsgenehmigung beantragt oder ihre Erteilung bereits bestandskräftig abgelehnt worden ist.

    II. Was gilt für Personen, die nach alter Optionsregelung die deutsche Staatsangehörigkeit verloren oder aufgegeben haben?

    Wenn Sie die deutsche Staatsangehörigkeit kraft Gesetzes verloren oder zugunsten der ausländischen aufgegeben haben und Interesse am Wiedererwerb der deutschen Staatsangehörigkeit haben, gilt Folgendes:

    Sie können auf Antrag bei Ihrer zuständigen Staatsangehörigkeitsbehörde die deutsche Staatsangehörigkeit unter Beibehaltung der ausländischen wieder erwerben (Einbürgerung), wenn Sie nach neuem Recht nicht optionspflichtig geworden wären. Das ist der Fall, wenn Sie im Inland aufgewachsen  sind oder neben der deutschen Staatsangehörigkeit als weitere Staatsangehörigkeit die eines Mitgliedsstaats der Europäischen Union oder der Schweiz haben (siehe oben unter I.).

    III. Was gilt für Personen, die nach alter Optionsregelung die ausländische Staatsangehörigkeit verloren oder aufgegeben haben?

    Sie können unter Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit ihre frühere Staatsangehörigkeit wieder erwerben, wenn Sie auf Antrag eine Beibehaltungsgenehmigung von Ihrer zuständigen Staatsangehörigkeitsbehörde erhalten haben. Auch hier gilt, dass Sie nach der Neuregelung nicht optionspflichtig geworden wären (siehe oben unter I.).

    IV. Was gilt für Personen, die sich noch im Optionsverfahren nach alter Optionsregelung befinden?

    Nach altem Recht eingeleitete, aber noch nicht abgeschlossene Optionsverfahren werden nach der neuen Optionsregelung beurteilt und zum Abschluss gebracht. Sie brauchen nicht tätig zu werden. Ihre Staatsangehörigkeitsbehörde wird Sie anschreiben und informieren.

    Weiterführende Links:

    Ein Leben – Zwei Pässe

Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit

  • Ein deutscher Staatsangehöriger verliert automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn er auf eigenen Antrag eine ausländische Staatsangehörigkeit erwirbt. Dies gilt dann nicht, wenn er Staatsangehöriger eines anderen EU-Mitgliedstaates oder der Schweiz wird. In anderen Fällen kann der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit nur vermieden werden, wenn die Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit vorher genehmigt worden ist. Eine solche Genehmigung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

    Wer die deutsche Staatsangehörigkeit verliert und in Deutschland bleiben will, muss die Bestimmungen für den Aufenthalt von Ausländern beachten und rechtzeitig einen Aufenthaltstitel beantragen.


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Das baden-württembergische Innenministerium in Stuttgart.

Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration

Willy-Brandt-Straße 41
70173 Stuttgart

Bürgerreferent:

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